Resümee

Die Daten zum Stand der Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Deutschland zeigen insgesamt, dass das Thema sowohl in den Einrichtungen der Erziehung und Bildung als auch in der Gesundheitsversorgung angekommen ist. Der Status quo der Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten ist jedoch nicht einheitlich, sondern unterscheidet sich zwischen aber auch innerhalb der Handlungsfelder „Kindertageseinrichtungen“, „Heime und betreute Wohnformen“, „Kliniken“ und „ambulanter Gesundheitsbereich“.

Viele Kindertageseinrichtungen und Heime haben schon ein umfassendes Schutzkonzept entwickelt. In beiden Handlungsfeldern sind Bausteine von Schutzkonzepten wie Fortbildungen des Personals und pädagogische Angebote zur Prävention sexualisierter Gewalt für die betreuten Kinder bzw. Jugendliche nahezu selbstverständlich. In den vergangenen Jahren haben viele Kitas und Heime ein besonderes Augenmerk auf Handlungspläne zur Intervention bei Fällen sexualisierter Gewalt gerichtet. Parallel scheinen mehr Ansprechpersonen zum Thema „Prävention sexualisierter Gewalt“ vor Ort in den Wohnheimen benannt zu sein, in den Kitas sind diese Personen auf der Trägerebene angesiedelt.

Viele Kindertageseinrichtungen und Heime haben schon ein umfassendes Schutzkonzept entwickelt. In beiden Handlungsfeldern sind Bausteine von Schutzkonzepten wie Fortbildungen des Personals und pädagogische Angebote zur Prävention sexualisierter Gewalt für die betreuten Kinder bzw. Jugendliche nahezu selbstverständlich. In den vergangenen Jahren haben viele Kitas und Heime ein besonderes Augenmerk auf Handlungspläne zur Intervention bei Fällen sexualisierter Gewalt gerichtet. Parallel scheinen mehr Ansprechpersonen zum Thema „Prävention sexualisierter Gewalt“ vor Ort in den Wohnheimen benannt zu sein, in den Kitas sind diese Personen auf der Trägerebene angesiedelt.

Die Ergebnisse für das Handlungsfeld Kliniken lassen verstärkte Bemühungen zu konkreten Präventionsmaßnahmen erkennen. So gibt es zum Beispiel einen Anstieg in der Entwicklung und Implementierung von Verhaltenskodizes und Handlungsplänen. Auch die Zahl der Ansprechpersonen auf Trägerebene hat in den vergangenen vier Jahren deutlich zugenommen. In den ärztlichen und therapeutischen Praxen, die erstmalig im Monitoring vertreten sind, gibt es zum aktuellen Zeitpunkt bislang noch eher selten umfassende Schutzkonzepte, dennoch können einige Praxen bereits auf einzelne Präventionsmaßnahmen zurückgreifen, wie beispielsweise Beschwerdeverfahren für die minderjährigen Patientinnen und Patienten und schriftlich niedergelegte Verhaltensregeln. Der aktuelle Fokus im Hinblick auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen im ambulanten Gesundheitswesen liegt auf der Intervention. So wünscht sich zum Beispiel fast die Hälfte der befragten Einrichtungen Unterstützungsbedarf beim Umgang mit Fällen vermuteter sexualisierter Gewalt. Dieser Befund verweist darauf, dass Akteure aus dem ambulanten Gesundheitswesen qua Profession einen oftmals niedrigschwelligen Zugang zu Familien wie auch Kindern/Jugendlichen haben und in einer vertrauensvollen Beziehung mit diesen stehen. Entsprechend sind sie in besonderer Weise aufgefordert eine Kindeswohlgefährdung als mögliche Ursache aktueller gesundheitlicher Belastungen erkennen zu können, auch wenn sich Personen – Kinder, Jugendliche wie auch im späteren Lebensverlauf Erwachsene – mit einer unspezifischen Symptomatik an sie wenden. Zugänge zu Familien bzw. Kindern und Jugendlichen bieten sich beispielsweise in Praxen im Rahmen von Früherkennungsuntersuchungen oder bei der Behandlung von Verletzungen oder Erkrankungen von Kindern resp. Jugendlichen.

Auch wenn die Daten eine durchaus positive Tendenz abbilden, wird deutlich, dass die Einrichtungen des Erziehungs- und Bildungsbereiches sowie des Gesundheitssektors beim Prozess der Entwicklung, Implementierung und Umsetzung von passgenauen Schutzkonzepten noch einen deutlichen Unterstützungsbedarf haben.

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